Schwerpunkt 2016

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“Der ‘Krach’ entzündete sich Montag Abend. Ich bezeichne es bewußt als Krach, da es meiner Meinung nach nicht gelungen ist, eine inhaltliche Diskussion zum Thema zu führen. Ein älterer Herr (Dekan oder Rektor?) erwartete die ersten Frauen, die das Plenum besuchen wollten, bereits auf einem Stuhl im Saal sitzend. Da er den Wunsch der Frauen, unter sich sein zu wollen, nicht respektierte, wurde er höflich, aber bestimmt samt Stuhl aus dem Raum getragen.”¹

TUSCH!

Dreißig Jahre sind vergangen, seit im Jahr 1986 die dritte FrauenSommerUni (FSU) erstmals in Innsbruck stattfand und sogleich für einigen Wirbel sorgte. Dreißig Jahre voller [:Bewegung*en:], deren Betrachtung sich die Feministische FrühlingsUni 2016 widmen will.
Warum nicht den Blick auf vergangenen FFU‘s richten und immer noch hoch aktuelle sowie neue Themen aufgreifen? – haben wir uns gefragt, und so um das Thema [:Bewegung*en:] drei Themenachsen gebildet:

[:Bewegung*en:] in Geschichten

[:Bewegung*en:] von Körper|normen

[:Bewegung*en:] in Arbeit.

Schon die Namensänderungen von FrauenSommerUniveristät über FrauenFrühlingsUniversität, Frauen*FrühlingsUniversität bis hin zur Feministischen FrühlingsUniversität zeigen auf, wie femi- nistischer Aktivismus, dessen Themen und Strukturen immer wieder dynamisch verhandelt werden.

Wir wollen nicht nur [:Bewegung*en:] in Geschichten, sondern auch Geschichten in [:Bewegung*en:] sichtbar machen: Geschichten von feministischem Aktivismus, von feministischen Bewe- gungen – nicht nur, aber auch von People of Color und Schwarzen Aktivist*innen*, von Behinderten und Verrückten², von Arbeiter*innen* und Arbeitslosen. Auch [:bewegte:] Geschichten von queeren Menschen, von Trans*Personen, von Inter*Personen und Menschen, deren Körper nicht gesamtge- sellschaftlichen Körper|normen entsprechen, sollen Platz finden.

Alltäglich vermittelte ableistische Körperideale und Körpernormen sowie deren behindernde Auswir- kungen lassen vielen Körpern kaum [:Bewegungs:]freiheit. Wo und auf welche Weisen das geändert werden könnte, soll zum Thema werden. Auch [:bewegte:] Körper spielen hier eine wichtige Rolle, da zum Beispiel im Sport die Normierung und Kontrolle des Körpers und dessen Leistungen und Funktionen stark zum Ausdruck kommt.

Das Thema Arbeit, das schon seit der ersten FSU 1984 in Wien ein zentrales Thema verschiedener FSU‘s und FFU‘s darstellte, wird auch auf der FFU‘16 in einen Fokus gerückt: Unterschiedliche Bewertungen von Arbeit – durch Staat und Gesellschaft – werden nicht nur dazu verwendet, gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse zu re_produzieren, sondern auch, um in Rückbezug auf den Körper heteronormative, zweigeschlechtliche Arbeitsteilung zu legitimieren. Wichtig ist uns, nicht nur Lohnarbeit, sondern insbesondere auch Care- und Subsistenzarbeit, Praktikum und Ehrenamt, sowie Schattenarbeit anzusprechen. Dabei wollen wir uns mit Arbeits[:bewegung*en:] und deren praktischen Auswirkungen beschäftigen, und damit auch marginalisierten Arbeiter*innen* Platz geben.

Die FFU‘16 – [:Bewegung*en:] will jedoch nicht nur selbst zurück, nach vorne, nach unten, oben, zur Seite schauen, sondern auch Anderen die Möglichkeit für diese Blicke geben. So wird ein wichtiger Schwerpunkt der FFU’16 das Dokumentieren ihrer selbst sein. Gerade weil die FSU‘s und FFU‘s verschiedene feministische Bewegungen in Österreich stark mitgestaltet haben und dies immer noch tun, ist uns die Archivierung und Aufbereitung der Feministischen FrühlingsUni 2016 auch für kommende Generationen ein Anliegen. So wollen wir diverse Dokumentationen an feministische Archive (wie ArchFem und Stichwort) übergeben. Zudem ist eine Publikation als Folgeprojekt angedacht.

 

¹ Gabriella Hauch, Einige Bemerkungen zur 3.Österreichischen Frauensommeruniversität in Innsbruck. In: Themenheft feministische Geschichtswissenschaft (Wien, Mai 1987). Stichwort-Archiv der Lesben- und Frauenbewegung.

² Wir verwenden selbst angeeignete Kampfbegriffe, siehe: Parade/ Berlin: „Behindert und Verrückt feiern“.